Golfbag statt Aktenkoffer

Windsheimer Zeitung vom 13.04.2019

Raiffeisenbank verabschiedet Prokurist Georg Niedenzu nach 47,5 Jahren in den Ruhestand.

Jeans, dunkler Pullover und Golfbag statt Anzug, Krawatte und Aktenkoffer. 47,5 Jahre hat Georg Niedenzu bei der Raiffeisenbank Bad Windsheim gearbeitet, war Prokurist, Leiter der Kreditabteilung und teilweise für 150 bis 200 Firmenkunden zuständig. Nun ist der 63-jährige Kurstädter von den Direktoren der Bank, Heinrich Reisenleiter und Martin Hofmann, in den Ruhestand verabschiedet worden.

„Für mich hat das immer dazugehört“, erzählt Georg Niedenzu. Jeden Morgen schlüpfte er in einen seiner dunklen Anzüge, band die Krawatte. „Wenn man sich für diesen Beruf entscheidet, ist das eben so.“ So war es auch bei der offiziellen Verabschiedung, zu der seine ehemaligen Chefs, Heinz Leykauf und Erich Schmidt, gekommen waren. Letzterer hatte den 16-jährigen Georg Niedenzu im Jahr 1971 eingestellt. „Ich war damals noch gar nicht geboren“, sagte Martin Hofmann in seiner Laudatio lachend. Damals hatte die Raiffeisenbank zwölf Mitarbeiter. „Anfangs waren alles Allrounder“, erinnert sich Georg Niedenzu. Kreditverträge wurden mit der Schreibmaschine getippt.

Niedenzu spezialisierte sich auf das Kreditgeschäft und dabei vor allem den Firmenkundenbereich. Zuletzt kümmerte er sich noch um rund 100 „Großkunden“, was er jedoch mit einem Lachen als „in Relation zur Größe der Bank“ verstanden haben will. 2008 wurde ihm Prokura erteilt und die Vollmachten im Kreditgeschäft. Als großes Privileg hat Georg Niedenzu empfunden, dass er nie „feste Vertriebsziele und Vorgaben erfüllen musste“. Martin Hofmann sprach von „Kundenorientierung“ als berufliche Charaktereigenschaft. Firmenchefs hätten ihm teilweise „blind vertraut“.

Natürlich habe Georg Niedenzu auch zu der einen oder anderen Kreditanfrage „Nein“ sagen müssen, was ihm nicht immer einfach gefallen ist, wie er zugibt. „Manchmal war ein Nein aber das bessere Ja“, sagt der Ruheständler. „Natürlich muss das dann immer anständig begründet werden.“ Nun will sich Georg Niedenzu verstärkt um seine Leidenschaften kümmern: Reisen mit seiner Frau Manuela, Golfen „und den Garten gibt es ja auch noch“, sagt der 63-Jährige. So habe er seit fünf Jahren stets darauf verwiesen, „das mache ich, wenn ich Rentner bin“.

Die Anzüge, denen sich der begeisterte Golfer und frühere Tischtennis-Spieler sofort nach Feierabend stets entledigte, will er „nur noch zu ganz besonderen Anlässen anziehen“. Und die meisten Krawatten werden ebenso weggeschmissen wie zwischenzeitliche Bank-Modesünden wie rote oder gelbe Jacketts, erzählt Georg Niedenzu. 47,5 Jahre seien genug. Und wenn ihm trotz Reisen und Golfen doch langweilig werden sollte, will sich der „Rentner-Azubi“, wie ihn Hofmann betitelte, „ein paar Bilanzen im Internet anschauen“. Mit Jeans und Pullover und auf dem Sprung zum Golfplatz.